Reflu­x­zentrum Nordhessen

Reflu­x­zentrum Nordhessen

Das Reflu­x­zentrum Nordhessen zählt mit rund 500 Reflux-Patienten pro Jahr zu den leistungs­fä­higsten und modernsten Einrich­tungen für die Diagnostik und Therapie der Reflux­krankheit in Deutschland. Mit unserem inter­dis­zi­pli­nären und hochspe­zia­li­sierten Team bieten wir Diagnostik und Therapie nach den jeweils aktuellsten Standards der medizi­ni­schen Fachgesellschaften.

Für eine diffe­ren­zierte und umfas­sende Diagnostik stehen an unserem Zentrum alle modernen Verfahren wie z. B. die Endoskopie oder Methoden zur Analyse der Magen- und Speise­röh­ren­funktion zur Verfügung. In enger Zusam­men­arbeit mit unseren Experten aus der Ernäh­rungs­be­ratung, der Psycho­the­rapie und der Schlaf­me­dizin kann so eine diffe­ren­zierte inter­dis­zi­plinäre Diagnostik durch­ge­führt und eine indivi­duell optimal abgestimmte Therapie entwi­ckelt werden. Denn nur in wenigen Fällen ist die weit verbreitete Behandlung mit Magen­säu­reblo­ckern als gängige Standard­the­rapie tatsächlich auf die eigent­liche Ursache der Reflux­krankheit gerichtet.

In der Therapie kommen je nach indivi­du­ellen Erfor­der­nissen alle konven­tio­nellen und opera­tiven Verfahren zum Einsatz. Bei der opera­tiven Therapie setzen wir, wo immer möglich, minimal-invasive Methoden ein. So wurden minimal-invasive Eingriffe zum Verschluss eines Zwerch­fell­bruchs, einer häufigen Mit-Ursache für die Reflux­krankheit, sowie die Rekon­struktion des natür­lichen Ventil­me­cha­nismus am Magen­eingang in unserer Klinik in den letzen 20 Jahren mehr als 3.000 mal vorgenommen.

Priv.-Doz. Dr. med. Johannes Heimbucher
Facharzt für Chirurgie
Chefarzt der Chirur­gi­schen Klinik im Marienkrankenhaus Kassel,
Leiter des Reflu­x­zen­trums Nordhessen

Weiter­füh­rende Informationen:

Rund jeder Fünfte in Deutschland leidet unter Sodbrennen und die Zahl der Betrof­fenen steigt konti­nu­ierlich an. Sodbrennen ist damit das mit Abstand häufigste Symptom einer Funkti­ons­störung des Magen-Darm-Trakts.

Tritt Sodbrennen so häufig auf, dass es das Wohlbe­finden der Betrof­fenen nachhaltig beein­trächtigt oder gar mit Organ­schä­di­gungen zu rechnen ist, spricht man von der „gastro­öso­pha­gealen Reflux­krankheit“. Neben Sodbrennen und Schmerzen hinter dem Brustbein können auch vielfältige andere Beschwerden wie chroni­scherer Husten oder Heiserkeit auftreten.

Bleibt die Reflux­krankheit unbehandelt, können ernst­hafte Folge­er­kran­kungen wie Asthma, Lungen­ent­zündung oder sogar Speise­röh­ren­krebs die Folge sein. Daher sollte eine Reflux­krankheit immer behandelt werden.

Die Ursachen der Erkrankung, die vor allem in der westlichen Welt weit verbreitet ist, sind vielfältig und können im Einzelfall in unter­schied­lichem Ausmaß zusammenwirken

Reflux­krankheit immer behandeln!

Zur Behandlung der Reflux­krankheit stehen verschiedene Möglich­keiten – von der medika­men­tösen Therapie bis zur Operation – zur Verfügung.

Um für jeden Betrof­fenen die indivi­du­ellen Ursachen zu finden und das optimale Thera­pie­konzept bestimmen zu können, ist eine intensive und vertrau­ens­volle Zusam­men­arbeit verschie­dener Spezia­listen erfor­derlich. Denn nur eine gesicherte inter­dis­zi­plinäre Diagnostik mit spezi­ellen Unter­su­chungs­me­thoden ist die Voraus­setzung für eine zielge­richtete und wirksame Behandlung.

Reflux­krankheit - Was ist das?

Häufiges saures Aufstoßen, Brennen in Oberbauch und Schmerzen hinter dem Brustbein: Wer an Sodbrennen leidet, kennt diese Symptome. Rund jeder fünfte in Deutschland ist mehr als einmal pro Jahr betroffen, bei rund 10 Prozent der Bevöl­kerung ist die Krankheit chronisch. Dann spricht man von der „gastro­öso­pha­gealen Reflux­krankheit“. Ursache ist ein Rückfluss von Magen­säure in die Speise­röhre, die die Schleimhaut reizt und die typischen Symptome auslöst. Bei rund 10 Prozent der Betrof­fenen kommt es zu einer chroni­schen Entzündung der Speiseröhre.

Reflux kann chronisch werden.

Chronisch kann die Erkrankung werden, wenn der Schließ­muskel der Speise­röhre durch häufige Überdehnung oder Reizstoffe wie Nikotin oder Medika­mente geschwächt ist, der Magen durch falsche Ernährung, Alkohol oder Stress zu viel Magen­säure produ­ziert, oder andere organische Ursachen, beispiels­weise ein Zwerch­fell­bruch, vorliegen.

Symptome und mögliche Folgen der Refluxkrankheit

Bei einer Reflux­krankheit können zahlreiche und zum Teil eher unspe­zi­fische Symptome auftreten, die von Heiserkeit oder Schluck­beschwerden bis hin zu Atemnot, Brust­schmerz oder gar Asthma reichen können. In jedem Fall sollte dann durch eine Unter­su­chung abgeklärt werden, ob die Beschwerden unter Umständen andere Ursachen wie z. B. Herz- oder Lungen­er­kran­kungen, Erkran­kungen des Kehlkopfes oder Funkti­ons­stö­rungen der Speise­röhre haben.

In der frühen Phase der Krankheit können die Symptome meist noch medika­mentös beherrscht werden. Wenn die Beschwerden aller­dings chronisch auftreten, müssen die Ursachen diagnos­tisch genau abgeklärt werden, um eine organische Schädigung auszu­schließen. Je nach Ursache kann dann eine Operation notwendig werden.

Sodbrennen

Sodbrennen ist das Haupt- und Leitsymptom der Reflux­krankheit und zählt zu den häufigsten Störungen des Verdau­ungs­traktes. Sodbrennen entsteht, wenn Magen­säure in die Speise­röhre zurück­fließt und dort die empfind­liche Schleimhaut reizt. Oft werden die Beschwerden im Liegen schlimmer. Ist Sodbrennen chronisch, kann es zu schweren Entzün­dungen der Schleimhaut der Speise­röhre kommen, die über die Zeit sogar Speise­röh­ren­krebs auslösen können. Zudem ist eine entzündete Schleimhaut ein guter Nährboden für Bakterien, die ein Entzün­dungs­ge­schehen zusätzlich verstärken können.

Druck­gefühl und Schmerzen in der Brust

Sodbrennen führt häufig zu einem Druck­gefühl oder Schmerzen hinter dem Brustbein, die von vielen Patienten zunächst dem Herzen zugeschrieben werden. Diffe­ren­ti­al­dia­gnostik sollte hier unbedingt eine Herzer­krankung, die mit ähnlichen Symptomen einher­gehen kann, ausge­schlossen werden.
Schluck­be­schwerden und Kehlkopf­reizung. Vor allem nachts im Liegen kann es vorkommen, dass die Magen­säure – vom Betrof­fenen oft unbemerkt - bis in den Halsvordringt.

Dies kann zur Reizung des empfind­lichen Kehlkopfes und der Stimm­bänder führen. Schluck­be­schwerden, „ein Kloß im Hals“ und eine heisere Stimme zählen daher auch zu den möglichen Symptomen einer Reflux­krankheit. Auch hier sollten jedoch mit einer Unter­su­chung andere Erkran­kungen wie eine z. B. Kehlkopf­ent­zündung anderer Ursache ausge­schlossen werden.

Schädigung der Atemwege

Steigt die Magen­säure z. B. während des Schlafs bis in den Hals auf, kann es auch sein, dass sie in die Atemwege gerät. Auch hier kann die Magen­säure Reizungen und Entzün­dungen der empfind­lichen Schleimhaut von Bronchien und Lunge – bis hin zur Lungen­ent­zündung – auslösen. Bei chroni­schen Atemwegs­pro­blemen und andau­erndem Husten sollte daher auch eine Reflu­xer­krankung als Ursache in Erwägung gezogen werden.

Schädigung der Zähne

Gelangt Magen­säure häufiger bis in den Mundraum, kann der Zahnschmelz geschädigt werden. Zwar zählt Zahnschmelz zu den wider­stands­fä­higsten Substanzen unseres Körpers, aller­dings kann er nicht regene­riert werden. Schädi­gungen durch sauren Magensaft sind daher irreversibel.

Die Ursache für die Entstehung der Reflux­krankheit liegt im Rückfluss von Magen­säure in die Speise­röhre, die dort die empfind­liche Schleimhaut reizt und zu einem der typischen Symptome – dem Sodbrennen – führt. Die Ursachen für diesen Säure­ruck­fluss können aller­dings vielfältig sein. So können z. B. Ernäh­rungs­fak­toren, bestimmte Medika­mente, aber auch Stress

Ernährung

Im Alltag kann vor allem falsche Ernährung zur Entstehung von Sodbrennen führen. Denn zu fettige, zu reich­liche und besonders süße, saure oder salzige Speisen können eine übermäßige Produktion von Magen­säure anregen. Insbe­sondere in Verbindung mit sehr üppigen Mahlzeiten und einer übermä­ßigen Ausdehnung des Magens kann diese dann leicht in die Speise­röhre gelangen und Sodbrennen auslösen. Auch Alkohol und Nikotin zählen zu den Auslösern dieses Symptoms.

Übermäßige Säure­pro­duktion

Auch ohne eine falsche Ernährung kann der Magen zu viel Säure produ­zieren. Die kann beispiels­weise durch Stress oder verschiedene Magen­er­kran­kungen verur­sacht werden.

Zwerch­fell­bruch

Beim sogenannten „Zwerch­fell­bruch“ oder der Hiatus­hernie schiebt sich ein Teil des Magens an der Durch­tritts­stelle der Speise­röhre durch das Zwerchfell in den Brustraum. Ursache hierfür ist meist eine Binde­ge­webs­schwäche des Zwerch­fells, durch die der Übergang der Speise­röhre in den Magen nicht mehr stabil genug ist. Gelangt ein Teil des Magens in den Brustraum, kann die Magen­säure ungehindert in die Speise­röhre zurück­fließen und Sodbrennen bzw. die Reflux­krankheit auslösen. In der Regel wird die Hiatus­hernie operativ behandelt.

Sonstige Ursachen

Neben falscher Ernährung und Lebens­stil­fak­toren, Magen­er­kran­kungen oder dem Zwerch­fell­bruch gibt es noch weitere Ursachen, die eine Reflux­krankheit auslösen können. So können auch Schlaf­stö­rungen oder bestimmte Medika­mente, die z. B. bei Asthma einge­nommen werden, zum Reflux führen.

Die Diagnostik bei der Reflux­krankheit kann schwierig sein, da verschiedene Symptome auch bei anderen Erkran­kungen vorkommen. So können fortge­setzte Schmerzen hinter im Brust­be­reich oder Atemnot beispiels­weise ein Hinweis auf eine Herzer­krankung sein und auch Heiserkeit, Schluck­be­schwerden oder Kehlkopf­rei­zungen können durch andere funktio­nelle Defekte ausgelöst werden. Häufig spielen auch voran­ge­gangene operative Eingriffe im Bereich der Bauch­höhle für das Auftreten verschie­dener Symptome eine Rolle.

Ein wichtiger Punkt bei den Unter­su­chungen ist daher die sogenannte Anamnese. Dabei werden alle auftre­tenden Krank­heits­sym­ptome erfasst und nach Inten­sität und Zeitdauer klassi­fi­ziert. Auch die bisherige Wirksamkeit einer medika­men­tösen Behandlung kann Hinweise darauf geben, ob tatsächlich eine Reflux­krankheit vorliegt.

Von beson­derer Bedeutung ist dabei, dass die Diagnostik inter­dis­zi­plinär unter Betei­ligung von Chirurgen, Gastro­en­te­ro­logen, Ernäh­rungs­me­di­zinern und ggf. auch Schlaf­me­di­zinern durch­ge­führt wird. Daher ist immer eine Unter­su­chung in einem dafür spezia­li­sierten Zentrum zu empfehlen.

Am Reflu­x­zentrum Nordhessen kommen haupt­sächlich die folgenden Unter­su­chungs­me­thoden zum Einsatz:

  • Magen­spie­gelung (Gastro­skopie)
  • Druck­messung der Speise­röhre (Manometrie)
  • Säure­messung (pH-Metrie) der Speise­röhre und des Magens
  • Impedanz­messung
  • Röntgen­un­ter­su­chung
  • HNO-Unter­su­chung
  • Schlaf­dia­gnostik
  • Aller­gie­testung
  • Analyse von Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Magen­spie­gelung (Gastro­skopie)

Die Magen­spie­gelung ist in allen Fällen erfor­derlich, in denen Beschwerden über einen längeren Zeitraum bestehen. Bei der Magen­spie­gelung wird der Zustand sowohl des Kehlkopfes, der Schleimhaut in der Speise­röhre als auch des Magens und dem sich anschlie­ßenden Zwölf­fin­gerdarm beurteilt.

Wichtig bei der endosko­pi­schen Diagnostik ist es vor allem, einen evtl. vorhan­denen Zwerch­fell­bruch zu erkennen und exakt zu klassi­fi­zieren. Zur mikro­sko­pi­schen Unter­su­chung der Schleimhaut werden im Rahmen der Magen­spie­gelung Gewebe­proben entnommen. Während der gesamten Unter­su­chung werden auch aussa­ge­fähige Fotografien der Befunde zur genauen Analyse und Beurteilung angefertigt. Bei bestimmten Schleim­haut­ver­än­de­rungen sind regel­mäßige endosko­pische Kontroll­un­ter­su­chungen mit Gewebe­proben auch dann erfor­derlich, wenn durch entspre­chende Behand­lungen eine dauer­hafte Beschwer­de­freiheit erzielt wurde.

Manometrie

Die Druck­messung in der Speise­röhre (Manometrie) ist insbe­sondere bei den Patienten erfor­derlich, für die ggf. eine operative Therapie der Reflux­krankheit in Frage kommt. Außerdem können mit diesem Verfahren Beweg­lich­keits­stö­rungen in der Speise­röhre erkannt werden, die zu Schluck­be­schwerden führen können, deren Ursache sich jedoch durch eine Magen­spie­gelung nicht eindeutig bestimmen lässt. Auch ist eine Druck­messung der Speise­röhre immer dann erfor­derlich, wenn eine Säure­messung vorge­nommen werden soll, denn die Säure­messung kann nur dann standar­di­siert ausge­wertet werden, wenn der entspre­chende Sensor an einer bestimmten Stelle platziert wird, die sich nur mittels Druck­messung exakt bestimmen lässt.

Säure­messung (pH-Metrie)

Die Säure­messung (pH-Metrie) wird insbe­sondere in den Fällen durch­ge­führt, in denen die medika­mentöse Therapie nicht im erwar­teten Ausmaß anspricht. Um eine zuver­lässige Beurteilung der Säure­ver­hält­nisse des Magens und der Speise­röhre zu ermög­lichen, sollte in jedem Fall eine Säure­messung mit zwei Sensoren erfolgen, von denen der eine im Magen, der andere in der Speise­röhre platziert wird. Die exakte Platzierung der Säure­sonde mittels vorhe­riger Druck­messung in der Speise­röhre ist für eine exakte und korrekte Analyse unabdingbar. Die Auswertung der Säure­messung bringt in der Regel Klarheit darüber, ob die empfun­denen Beschwerden mit dem Rückfließen von Magen­inhalt in die Speise­röhre verbunden sind. Eine Behandlung mit säureblo­ckenden Medika­menten sollte für die Säure­messung unter­brochen werden.

Röntgen­un­ter­su­chung

Röntgen­un­ter­su­chungen sind unter Umständen zur Diagnostik eines größeren Zwerch­fell­bruches hilfreich. Ein Zwerch­fell­bruch kann entstehen, wenn sich z.B. angeborene Schwach­stellen im Zwerchfell im Laufe des Lebens zu Lücken öffnen. In der Folge können sich Bauch­organe wie der Magen, Teile des Darms oder der Leber in den Brustraum verlagern. Zwerch­fell­hernien stellen eine häufige Ursache für die Reflux­krankheit dar, lassen sich operativ in der Regel aber gut behandeln. Daneben können Röntgen­un­ter­su­chungen auch bei Schluck­be­schwerden in vielen Fällen wertvolle Infor­ma­tionen über die Ursachen liefern.

HNO-Unter­su­chung

Ein unbemerkter Säure­ruck­fluss aus dem Magen, dem so genannten „stillen Reflux“, kann verschiedene Symptome und chronische Erkran­kungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich auslösen, ohne dass dabei die typischen Symptome der Reflux­krankheit auftreten. Dazu zählen etwa chronische Nasen­ne­ben­höh­len­ent­zün­dungen, chronische Mittel­ohr­ent­zün­dungen, Bronchitis, Verän­de­rungen an den Stimm­lippen, eine chronische Reizung des Kehlkopfes bis hin zu chroni­schen Lungen­er­kran­kungen. Daher sollte auch eine einge­hende HNO-Unter­su­chung Teil einer sorgfäl­tigen Reflux-Diagnostik sein.

Schlaf­dia­gnostik

Bestimmte Schlaf­stö­rungen wie die gefürch­teten Atemaus­setzer während des Schlafes (Schlaf­apnoe) können die Entstehung einer Reflux­krankheit begüns­tigen. Man nimmt heute an, dass der geringere Druck im Brustkorb während eines kurzen Atemstill­stands den Rückfluss von Magen­säure in die Speise­röhre begünstigt. Umgekehrt kann eine bestehende Reflux­krankheit aber auch den Schlaf negativ beein­flussen und zu Schlaf­stö­rungen führen. Am Reflu­x­zentrum Nordhessen ist daher u. U. auch eine Unter­su­chung im Schlaf­labor des Marien­kran­ken­hauses Teil unserer Reflux-Diagnostik.

Ernäh­rungs­analyse

Ernährung kann einen entschei­denden Einfluss auf die Entstehung und den Verlauf einer Reflux-Erkrankung haben. Häufig sind es zu fette Speisen und zu viel Alkohol oder Kaffee – oft in Verbindung mit Stress –, die Sodbrennen auslösen und zur Reflux­krankheit führen können. Auch zu große Speise­mengen können ein Auslöser sein, da sich – wenn dauerhaft zu viel gegessen wird – die Schließ­mus­ku­latur am Magen­ausgang dehnen kann und den Magen nicht mehr richtig zur Speise­röhre hin abschließt.

Bei der Diagnostik einer Reflux-Krankheit sollte daher auch eine Ernäh­rungs­analyse durch­ge­führt werden. In diesem Zusam­menhang ist zu erwähnen, dass Patienten mit Adipo­sitas deutlich häufiger von Reflux betroffen sind, als normal­ge­wichtige Personen. Umgekehrt sind rund 80 Prozent aller Reflux­pa­ti­enten adipös. Eine Gewichts­ab­nahme führt bei diesen Patienten leider nicht allzu häufig zu einer Verbes­serung der Reflux-Symptome, weil in den meisten Fällen im Gefolge länger­fris­tiger Fehlernährung und Überge­wicht auch anato­mische Verän­de­rungen einge­treten sind. Dadurch wird der Ventil­me­cha­nismus am Magen­eingang kompro­mit­tiert, so dass Magen­inhalt in krank­haftem Ausmaß in die Speise­röhre gelangen kann.

Patienten, die von Reflux­be­schwerden und gleich­zeitig unter Adipo­sitas leiden, bedürfen einer Berück­sich­tigung aller Krank­heits­fa­cetten. Dabei kann auch eine primäre Operation zur Beein­flussung des Überge­wichtes den optimalen Weg zur Besei­tigung des Reflux­pro­blems darstellen. Mehr Infor­ma­tionen unter: www.adipositaszentrum-nordhessen.de

Ziel der Behandlung ist immer eine vollständige und dauer­hafte Besei­tigung der Beschwerden. Daher muss die Ursache einer Reflux­krankheit immer mit einer diffe­ren­zierten Diagnostik heraus­ge­funden werden. In der akuten Phase werden in der Regel zunächst Medika­mente einge­setzt, die die Beschwerden in den meisten Fällen schnell verbessern. Falls eine medika­mentöse Therapie wenig oder keine positiven Effekte zeitigt, sind entspre­chende Funkti­ons­un­ter­su­chungen erforderlich.

Über die richtige Behandlung der Reflux­krankheit kann erst entschieden werden, wenn die Ursache identi­fi­ziert ist. Im ersten Schritt wird hier diagnos­tisch in der Regel zunächst eine endosko­pische Magen­spie­gelung durchgeführt.

Konser­vative Behandlung

Medika­mente ja, aber nicht auf Dauer!

Insbe­sondere in der Akutphase kommen häufig Medika­mente zum Einsatz, die die Säure­bildung im Magen stark herab­setzen und die Beschwerden in der Regel schnell verbessern. Für viele Patienten ist diese Behandlung - meist so genannte Proto­nen­pum­pen­hemmer - über längere Zeit effektiv und wirksam. Eine dauer­hafte medika­mentöse Behandlung sollte jedoch aus unter­schied­lichen Gründen vermieden werden. Denn eine krankhaft vermehrte Bildung von Magen­säure ist nur in den seltensten Fällen die Haupt­ur­sache der Krankheit. Insofern ist eine erste medika­mentöse Behandlung nicht auf die Ursache, sondern nur auf die Symptome gerichtet, die zudem eine normale Verdau­ungs­funktion unnatürlich beeinflusst.

Gleich­zeitig steigt mit der Dauer der medika­men­tösen Behandlung das Risiko unerwünschter Neben­wir­kungen. Darüber hinaus ist eine Gewöhnung an die Medika­mente mit entspre­chendem Wirkungs­verlust sehr häufig. Die Mehrzahl der Patienten benötigt immer höhere Dosie­rungen, um die Symptome zufrie­den­stellend zu lindern. Deshalb kommen in vielen Fällen andere Behand­lungs­maß­nahmen infrage.

Kontrolle durch Magenspiegelung

Falls bei einer endosko­pi­schen Magen­spie­gelung zur Diagnostik höher­gradige Entzün­dungen festge­stellt wurden, sollte eine Kontrolle durch eine Magen­spie­gelung einige Zeit nach Beginn der medika­men­tösen Behandlung erfolgen, um die Heilung der Schleimhaut zu überprüfen.

Umstellung der Ernährung

Bei nicht-medika­men­töser Behandlung neben der medika­men­tösen Therapie ist insbe­sondere eine Verän­derung der Ernäh­rungs­weise in vielen Fällen erfor­derlich und hilfreich, um die Beschwerden zu reduzieren. Dies bezieht sich nicht nur auf die Auswahl der Nahrungs­mittel, sondern auch die Art und Weise, wie die Mahlzeiten einge­nommen werden. In vielen Fällen ist eine entspre­chende profes­sio­nelle Ernäh­rungs­be­ratung, wie wir sie im Reflu­x­zentrum Nordhessen anbieten, ein wichtiger Bestandteil der Behandlung.

Operative Behandlung

Die operative Therapie der Reflux­krankheit wird schon seit mehr als 60 Jahren durch­ge­führt. Rudolf Nissen, damals Chirurg in Basel, publi­zierte 1956 eine erste Serie solcher Opera­tionen. Das Prinzip der Operation ist seither nicht verändert worden. Es haben sich aber durchaus erheb­liche technische Modifi­ka­tionen entwi­ckelt. Die Wichtigste ist sicher die minimal invasive Vorge­hens­weise per Bauch­spie­gelung, die in unserem Zentrum seit 18 Jahren in allen Fällen angewandt wird. Wir haben seit Eröffnung des Zentrums mehr als 2500 minimal­in­vasive Opera­tionen zur Behandlung der Reflux­krankheit durchgeführt.

In den meisten Fällen beinhaltet die Operation zwei Ziele:

  • Der Ventil­me­cha­nismus am Übergang zwischen Speise­röhre und Magen wird verstärkt.
  • Die Lücke im Zwerchfell, durch die die Speis­röhre in den Bauchraum zieht, wird eingeengt.

Verstärkung des Ventil­me­cha­nismus der Speiseröhre

Insbe­sondere die Verstärkung des Ventil­me­cha­nismus kann in vielen unter­schied­lichen Modifi­ka­tionen vorge­nommen werden. Dabei kommt es darauf an, für jeden Patienten die indivi­duell beste Lösung zu finden.

Fundo­pli­katio

Die Verstärkung des Ventil­me­cha­nismus am Magen­eingang erfolgt in Form einer Manschette, die aus dem oberen Anteil des Magens gebildet wird: eine so genannte “Fundo­pli­katio”. Das Ausmaß der Verstärkung des Ventil­me­cha­nismus’ kann sowohl mit dem Volumen der Manschette, als auch mit dem Ausmaß, in welchem die Manschette die Speise­röhre umfasst, moduliert werden. Unter Umständen kann die Manschette die ganze Speise­röhre umfassen, also 360°. Soll der Druck weniger stark erhöht werden, wird eine halbe oder ¾-Manschette konstruiert, die sowohl an der Hinter­seite als auch an der Vorder­seite der Speise­röhre platziert werden kann. In einigen Fällen können auch zusätz­liche Nähte angebracht sein, um den Magen zu fixieren.

Implan­tation eines Magnetbandes

Als eines von nur wenigen Zentren in Deutschland ist das Reflu­x­zentrum Nordhessen am Marienkrankenhaus für ein neues Verfahren zur Verstärkung des Ventil­me­cha­nismus zugelassen. Bei dem Verfahren wird mit einem minimal­in­va­siven Eingriff ein Magnetband um den unteren Abschluss der Speise­röhre gelegt, das die natür­liche Funktion des Schließ­muskels am Magen­eingang unterstützt.

Das Magnetband ermög­licht den für die Nahrungs­auf­nahme erfor­der­lichen Durchgang, da die Kräfte beim Schlucken von Nahrungs­be­stand­teilen ausreichen, die Anzie­hungs­kraft der Magneten zu überwinden. Aller­dings können diese Kräfte nicht durch den reflux­be­dingten Rückfluss erzielt werden. Dadurch kann keine Magen­säure mehr in die Speise­röhre gelangen und die Ursache der Reflux­krankheit behoben werden. Ein Vorteil der Methode ist, dass keine anato­mi­schen Verän­de­rungen vorge­nommen werden müssen.
Eine Operation kommt aller­dings erst dann in Frage, wenn die Erkrankung chronisch ist, eine medika­mentöse Therapie mit den so genannten Proto­nen­pum­pen­hemmern nicht greift oder die Betrof­fenen keine dauer­hafte medika­mentöse Therapie wünschen.

Schließen der Lücke im Zwerchfell

Auch dieser Eingriff hängt stark von den indivi­du­ellen Gegeben­heiten eines Patienten ab. So wird der Operateur bei einer großen Lücke im Zwerchfell anders vorgehen, als bei einer kleinen, und wiederum anders bei solchen Patienten, die unter Reflux leiden, obwohl kein anato­mi­sches Defizit am Zwerchfell vorliegt. Die Implan­tation von Kunst­stoff­netzen zur Gewebe­ver­stärkung bzw. als Gewebe­ersatz am Zwerchfell wird in unserem Zentrum nur bei ganz eindeu­tigem Bedarf vorge­nommen. Mitunter können technische Details erst während der Operation entschieden werden, z. B. wenn der Operateur die indivi­duelle Gewebe­qua­lität berück­sich­tigen muss.

Im Reflu­x­zentrum Nordhessen werden Sie von einem Team aus hochqua­li­fi­zierten Experten für eine umfas­sende Diagnostik und Therapie nach modernsten medizi­ni­schen Standards in allen erfor­der­lichen Fachdis­zi­plinen zur Verfügung. Neben der medizi­ni­schen Qualität steht für uns aber ebenso die menschlich zugewandte und fürsor­gende Begleitung unserer Patienten und Patien­tinnen während ihres Aufent­haltes im Mittelpunkt.

Die richtigen Partner sind entscheidend für den Therapieerfolg!

Für eine zuver­lässige Diagnostik und wirksame Therapie der Reflux­krankheit ist eine enge und inter­dis­zi­plinäre Zusam­men­arbeit verschie­dener Fachdis­zi­plinen notwendig. Im Reflu­x­zentrum Nordhessen arbeiten wir dazu mit verschie­denen Spezia­listen aus den Abtei­lungen des Marien­kran­ken­hauses sowie mit ambulanten Partnern zusammen.

Unsere ständigen Partner sind:

Dr. med. Gero Moog, Facharzt für Gastroenterologie/Hepatologie, ist Chefarzt der Klinik für Gastro­en­te­ro­logie und Hepato­logie. Zudem leitet er die gastro­en­te­ro­lo­gische Praxis am Marienkrankenhaus Kassel.
Die Praxis Dr. Moog verfügt über die modernsten Verfahren zur Diagnostik und Therapie von Erkran­kungen des Magen-Darm-Traktes und koope­riert eng mit der Klinik für Allgemein- und Visze­r­al­chir­urgie im Marienkrankenhaus. Damit ist eine abgestimmte Diagnostik und Therapie von Patienten mit gastro­en­te­ro­lo­gi­schen Erkran­kungen wie der Reflux­krankheit im statio­nären und ambulante Bereich sichergestellt.

Prof. Dr. med. Martin Konermann,
Schlaf­me­di­ziner und Chefarzt Klinik für Allge­meine Innere Medizin

Die Reflux­krankheit kann Ursache und auch Folge von Schlaf­stö­rungen sein. Für die in dieser Hinsicht erfor­der­liche Diagnostik wird im Schlaf­me­di­zi­ni­schen Zentrum im Marienkrankenhaus Kassel, das unter der Leitung von Prof. Dr. med. Konermann steht, durch­ge­führt. Dieses Schlaf­labor zählt zu den modernsten und größten schlaf­me­di­zi­ni­schen Einrich­tungen in Hessen.