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Weltpremiere: Spezielle Operation bei Morbus Bechterew-Patientin wird erstmals am Marienkrankenhaus Kassel durchgeführt

Am Marienkrankenhaus Kassel werden einer 45-jährigen Patientin mit Morbus Bechterew, die zwei Bandscheibenvorfälle im Halswirbelbereich erlitten hat, erstmals zwei Bandscheibenprothesen eingesetzt. Es ist der weltweit erste Eingriff dieser Art bei einem Patienten mit der chronischen entzündlich-rheumatischen Bechterew-Erkrankung, mit dem die Lebensqualität der Patientin erhalten und eine künstliche Versteifung der Halswirbel vermieden werden soll. Für viele Patienten mit dieser chronischen entzündlich-rheumatischen Erkrankung kann das Verfahren wegweisend sein, denn bisher galt Morbus Bechterew als Ausschlusskriterium für die Implantation von Bandscheibenprothesen.

(BvT) „Bei der Patientin liegt die gesicherte Diagnose eines Morbus Bechterew vor. Außerdem wurden zwei Bandscheibenvorfälle im Bereich der Halswirbel festgestellt, die operativ behandelt werden müssen, da die Patientin unter Sensibilitätsstörungen und motorischen Ausfällen leidet", erläutert Dr. Kordian Wojtas, Chefarzt der Neurochirurgie am Marienkrankenhaus Kassel und Spezialist für Wirbelsäulenchirurgie, die Ausgangslage. Während die operativ-prothetische Behandlung von schweren Bandscheibenvorfällen bei Patienten ohne diese chronische Erkrankung eine häufige Option darstellt, zählte ein Morbus Bechterew bisher zu den Ausschlusskriterien für den Einsatz von Bandscheibenprothesen, da die Gefahr bestand, dass die Prothesen bei der krankhaften Verknöcherung der Wirbelsäule zerstört werden und dann für die Patienten zum Problem werden. „Die von einem Bandscheibenvorfall betroffenen Wirbelsegmente werden bei diesen Patienten nach Entfernung der Bandscheiben üblicherweise mit einer Platte oder einem Einsatz aus Titan versteift. Das schränkt natürlich die Beweglichkeit und damit die Lebensqualität der Patienten schon sehr früh erheblich ein", erläutert der Wirbelsäulenexperte.

Operation ist ein Meilenstein in der Wirbelsäulenchirurgie

Dass die Implantation von Prothesen bei der aktuellen Patientin dennoch vorgenommen werden soll, ist vor allem der Weiterentwicklung bei den Materialien und der Technik moderner Bandscheiben-Prothesen zu verdanken, wie Dr. Wojtas erläutert: „In der Bandscheibenprothetik muss immer ein Kompromiss zwischen Belastbarkeit und Beweglichkeit gefunden werden, um die Stabilität der Wirbelsäule zu gewährleisten, aber gleichzeitig die Lebensqualität der Patienten so weit wie möglich zu erhalten. Mit den modernen Prothesen, bei denen zwei feste Metallplatten einen speziell geformten Kern umschließen, ist dies heute möglich. Mit der Implantation können wir die künstliche Versteifung der Wirbelsäule vermeiden und dieser jungen Patientin die Lebensqualität zumindest– abhängig vom Krankheitsverlauf - für die nächsten 10 bis 15 Jahre erhalten", macht Dr. Wojtas deutlich. Vor der Entscheidung, diesen Eingriff durchzuführen, hat er den Fall auf zahlreichen internationalen Fachkongressen präsentiert und sich eng mit anderen international renommierten Experten abgestimmt.

Hintergrund:

Morbus Bechterew handelt ist eine chronische entzündlich-rheumatische und schmerzhafte Erkrankung, die zu Entzündungen der Wirbelgelenke und einer fortschreitenden knöchernen Versteifung der Wirbelsäule von unten nach oben führen kann. Ferner können die Gelenke zwischen Wirbeln und Rippen sowie zwischen Kreuz- und Darmbein versteifen. Die Erkrankung beginnt meist zwischen dem 15. Und 30. Lebensjahr, verläuft in Schüben und ist derzeit nicht heilbar. In den Spätstadien der Krankheit können viele Patienten nur noch in gekrümmter Haltung stehen und laufen. Außerdem führt eine Versteifung des Brustkorbs häufig zu eingeschränktem Atemvolumen und Atemnot. Als Ursache für Morbus Bechterew wird ein Autoimmunprozess angenommen.


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